Informationen für Bewerber

Von Martin Trauth

Fast wöchentlich erreichen mich Initiativbewerbungen für Praktika oder Ausbildungsstellen im Bereich Mediendesign, Webdesign oder Werbekaufmann. Vielen Dank für Ihr Interesse! Grundsätzlich sei derzeit gesagt, dass wir leider keine offene Stellen für diese Bereiche anbieten können. Wir können also in der derzeitigen Konstellation weder Webdesigner noch Werbekaufleute anlernen oder ausbilden. Dennoch möchte ich an dieser Stelle mal ein paar persönliche Worte darüber loswerden.

Warum unser Netzwerk derzeit nicht ausbilden kann?

Ein Praktikantenprogramm ist nicht möglich weil die Arbeitsplatzvoraussetzungen nicht bestehen. Unser Geschäftsmodell des freien Netzwerkes lebt durch Flexibilität. Die meisten Mitarbeiter rund um webdesignerkoeln.com sind entweder freiberuflich oder als Einzelunternehmer tätig. Flexibel und projektgetrieben sind dabei sowohl der Arbeitsplatz als auch die Arbeitszeiten. Ich persönlich arbeite im Homeoffice, bin darüber hinaus noch als Teilzeitangestellter tätig und weiterhin häufig direkt im Team des Kunden eingeteilt. Diese Flexibilität ermöglich meinen Kunden mich als Team-Mitglied zu sehen. Dennoch hindert sie mich daran, mit der von mir gewünschten Sorgfalt auszubilden.

Warum es Praktikanten im Bereich Design schwer haben einen Praktikumsplatz zu finden?

Kurzzeitpraktikanten sind darüber hinaus ein Luxus für Agenturen weil sie viel Geld kosten. Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass Praktikanten im Agenturbereich als billige Arbeitskraft eingesetzt werden. Dies mag bei Langzeitpraktikanten vielleicht der Fall sein, in der Regel erfolgen die Praktikumsbewerbungen jedoch auf eine maximale Praktikumszeit von ca. 6 Monaten. Der große Durchschnitt der Bewerber verfügt dabei zwar schon über gute kreative und künstlerische Fähigkeiten, diese lassen sich jedoch in den wenigsten Fällen direkt operativ einsetzen. Sicher ist es schön, in einer Bewerbung einen Kartoffelstempeldruck zu erhalten und in der nächsten eine Aktzeichnung, dies zeigt aber im gleichen Zuge, dass noch keine berufsbezogenen Qualifikationen vorhanden sind.

Nun steht also für einen Praktikanten vorerst die Anschaffung eines Arbeitsplatzes auf dem Programm. Mit der kompletten Adobe Creative Suite und einem halbwegs ordentlichem Rechner und Monitor liegt der Nettopreis bei rund 4.000 EUR. Zusätzlich ist erfahrungsgemäß eine realistische Einschätzung, dass erste produktive Einsätze frühestens nach 3 Monaten möglich sind. Vorab muss man täglich einen größeren Teil der eigenen Arbeitskraft in ein gutes Lehrprogramm investieren. Es erfordert keine großen Rechenkünste, dass die Aufnahme eines Praktikanten eher aus Idealismus geschieht.

Das Designpraktikum und der Fehler im System

Viele der privaten Akademien verlangen vor Beginn oder zwischen der Ausbildung einen praktischen Teil von ca. 6 Monaten. Diesen praktischen Teil sollen die Schüler dann häufig vorab als Praktikumszeugnis nachweisen. Offensichtlich herrscht hier viel Unwissen, denn kaum eine Agentur kann es sich leisten, jemanden ohne Vorkenntnisse einzustellen. Private Akademien halten es aber für legitim, den praktischen Teil den Betrieben zukommen zu lassen und für den theoretischen Teil Studiengebühren zu verlangen. Die praktikumsanbietenden Betriebe sollten im besten Falle noch ein hübsches Praktikantengehalt drauflegen.

Nur – so wird das leider nichts. Warum? Ganz einfach, die Ausbildungsqualität der privaten Akademien stimmt häufig nicht.

Bei aller Erfahrung sind die Qualifikationen eines IHK ausgebildeten Mediengestalters um Längen besser als alle Alternativen und privaten Ausbildungsgänge. Hier gibt es praktische Erfahrungen im Umgang mit dem Kunden, es bestehen Einblicke in das Agenturleben und in reale Projekte. Der duale Ausbildungsgang vermittelt darüber hinaus genug theoretisches Grundwissen, vermittelt von Betrieben und Berufsschulen.
Und noch etwas – wenn private Akademien schon zum Praktikum verpflichten sollten sie auch Hilfestellungen bei Bewerbungen geben!

Mein Fazit

Für die Zukunft werde ich mir sicher weiterhin Gedanken darüber machen, wie ich mein Wissen weitergeben kann. Im Vordergrund steht dabei die Möglichkeit auszubilden, und zwar nach Standard der IHK und im dualen Ausbildungsgang. Praktikanten kann ich mir nur dann vorstellen, wenn entweder gute Grundkenntnisse vorhanden sind oder die Praktikumszeit mindestens ein Jahr beträgt. Darüber hinaus werde ich an dieser Stelle in Zukunft hier und dort mal darüber berichten, wie eine gute Bewerbung in der Werbung aussehen könnte. Nur so viel vorab – sie sollte eher einer Bewerbung zum Bürokaufmann gleichen als ein Feuerwerk des eigenen Geschmackes abliefern, und Arbeitsproben sollten nur dann eingereicht werden, wenn sie die zukünftigen Bereiche berühren.

Mein persönlicher Tipp an Berufseinsteiger

Sie interessieren sich für einen der schönsten und spannendsten Berufe überhaupt! Nehmen Sie sich Zeit für die Auswahl des Ausbildungsplatzes. Sicher ist die Aufnahme an einer kostenpflichtigen und privaten Akademie am einfachsten, es lohnt sich jedoch, sich persönlich ins Zeug zu legen und alles dafür zu tun, im dualen Ausbildungssystem der IHK als Mediengestalter Fuß zu fassen.

Viel Erfolg!